Nationalpark Bayerischer Wald
Chronik Nationalpark Bayerischer Wald
Borkenkäfer im Nationalpark Bayerischer Wald

Nationalpark Bayerischer Wald

Der erste Nationalpark (NLP) in Deutschland wurde 1970 auf der deutschen Seite des Böhmerwaldes mit dem NLP Bayerischen Wald gegründet. 1997 wurde die Fläche, trotz großer Widerstände in der Bevölkerung, um fast 11.000 ha erweitert auf jetzt 24.222 ha. Der NLP Bayerischer Wald hat die 75 prozentige Naturzone bislang nur im alten NLP-Bereich (Rachel-Lusen-Gebiet) umgesetzt. Im 1997 erweiterten Gebiet (rund um den Falkenstein) wurden erst 60% in die Naturzone übernommen. Jährlich werden etwa 200 ha in die Naturzone überführt, um bis zum Jahr 2027 die international geforderten 75% zu erreichen. Zum 50 jährigen Bestehen des Nationalparks wurde er 2020 um 640 ha auf 24.945 ha erweitert. 2022 wurde die Kernzone auf 75 % (18.824 ha) angehoben.

Zusammen mit dem angrenzenden Šumava bildet das, als innerer Bayerischer Wald bezeichnete Gebiet, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas und mit dem Schwarzwald das höchste Mittelgebirge Deutschlands. Es erstreckt sich von 600 m ü. NN in den Tallagen, bis hin zu den Kammlagen mit den höchsten Erhebungen Rachel (1.453 m), Lusen (1.373 m) und Falkenstein (1.312 m). Die wichtigsten Lebensraumtypen wären von Natur aus: Hainsimsen-Buchenwald (54,5%), Waldmeister-Buchenwald (6,7%), Moorwälder (6,9%) sowie montane bis alpine bodensaure Nadelwälder (31,7%) und Aufichtenwald (9,3%).

Holznutzungen insbesondere durch die Glasindustrie ab dem 15 . Jahrhundert und reguläre Forstwirtschaft im 19. und im 20. Jahrhundert veränderten die Baumartenzusammensetzung des Waldes. Die Stichprobeninventur 2003 zeigt die aktuelle Baumartenverteilung: 67% Fichte, 24,5% Buche, 2,6% Tanne und sonstiges Laubholz 5,6% sowie sonstiges Nadelholz 0,3%. Auch der saure Regen Mitte des 20. Jahrhunderts sowie klimatische Veränderungen, wie die Erwärmung und Verlängerung der warmen Jahreszeit zum Ende des 20. Jahrhunderts im Bayerischen Wald, veränderten das Ökosystem.

Chronik Nationalpark Bayerischer Wald

Juli 2023Ursula Schuster wird neue Nationalparkleiterin und übernimmt das Amt von Dr. Franz Leibl
Nov 2022Der Nationalpark erreicht sein internationales Ziel schon vor 2027. 75,34 % der Fläche (18.824 ha) sind jetzt Naturzone.
Mai 2022Landtag hat der Erweiterung des Nationalparks auf 24.945 ha zugestimmt
Okt 2020Kabinett beschließt Erweiterung um 640 ha, somit ist der Nationalpark mit 24.945 ha (wieder) der größte Waldnationalpark in Deutschland
Juni 2020Ankündigung einer möglichen Erweiterung des Nationalparks um 600 ha im Südosten (Gemeinde Mauth, Staatswald Forstbetrieb Neureichenau). Gesprächsrunden mit Bevölkerung und Interessierten starten.
2020Der Nationalpark feiert sein 50 jähriges Bestehen. Am 11. Juni 1969 beschloss der Landtag die Gründung. Am 7.10.1970 wurde der Nationalparkteil im Landkreis Freyung-Grafenau mit 13.300 ha eröffnet.

Eine neue Studie beziffert die Netto-Wertschöpfung des Nationalparks für die Region auf 26 Mio Euro pro Jahr. 1,4 Mio Besucher kamen 2019 in den Park – fast doppelt so viele wie vor 12 Jahren. Siehe Pressemitteilung

Während der Corona-Zeit erlebte der Nationalpark einen Massenansturm an Menschen die sich im Nationalpark erholen wollten – Schlange Stehen am Lusen, Viele Ermahnungen und übervolle Parkplätze.
2019Eine kleine Sensation ist die Wiederentdeckung einer extrem seltenen Urwaldreliktart. Der Urwaldkäfer Peltis grossa ist die 16. Urwaldreliktart im Nationalpark Bayerischer Wald. Der letzte Nachweis dieses Flachkäfers war vor 113 Jahren, dannach war er verschollen. Nirgendwo anders in Bayern wurden bislang so viele Urwaldreliktarten nachgewiesen wie im Nationalpark Bayerischer Wald.

Ein großer Schritt in Richtung 75 % Naturzone wurde zum 1. November 2019 durchgeführt. Mit zusätzlichen 869 ha westlich und südlich des Falkensteins werden jetzt 72,3 % Naturzone erreicht. Der Kommunale Nationalparkausschuss hat dieses Vorgehen einstimmig beschlossen.
2018Nördlich von Buchenau im Erweiterungsgebiet wurde die Naturzone um 170 ha erweitert, so das die gesamte Naturzone 68,73 % der Fläche beträgt.
2017Der Orkan Mitte August 2017 hat zwar in Niederbayern viele Hektar Wald zerstört – der Nationalpark ist aber mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Windwürfe haben nur einzelne Bäume geworfen.

Im Oktober wurde die Gehegetür zum Wolfsgehege von Unbekannten aufgebrochen. 6 Wölfe entkamen. Kurze Zeit später wurde ein Wolf von der Waldbahn überfahren, ein anderer Wolf konnte nach vielen Versuchen eingefangen werden. Zwei Wölfe konnten leider trotz hohem Aufwand nicht eingefangen werden und mussten geschossen werden. Von den beiden übrigen Wölfen fehlt jede Spur, trotz intensiver Suche. Nachdem seit Anfang 2017 ein wildes Wolfsrudel im Bayerischen Wald nachgewiesen wurde, ist die eindeutige Differenzierung zwischen den wilden Tieren und den entlaufenen Tieren aus der Distanz mittlerweile fast unmöglich.

Die Naturzone im Erweiterungsgebiet bei Spiegelhütte wurde im November um 184,5 ha erweitert – so dass jetzt 68,03 % in der Naturzone liegen.
Nov 2016Nachdem die Naturzone im Vorjahr größer erweitert wurde, wächst die Naturzone ab 2016 in kleineren Dimensionen. Die Naturzone wurde 2016 um 179 ha im Altpark-Gebiet bei Altschönau und Mauth-Finsterau erweitert. Somit sind 67,2 % der Nationalparkfläche in der Naturzone. Bis 2027 müssen 75 % erreicht werden.
Nov 2015Die Naturzone wurde um fast 2.000 ha durch die Hochlagen (ehemalige großflächige Borkenkäferbekämpfungsflächen) erweitert.
 2014Diskussion ob die Naturzone im Erweiterungsgebiet in den Hochlagen in größerem Umfang erweitert werden sollen. Diese Entwicklungs-Flächen sind großflächig in den letzten Jahren durch Borkenkäferbekämpfungseinsätze geräumt worden. Letzt endlich wurde im November 2014 aber nur eine Naturzone von 316 ha bei Buchenau neu ausgewiesen. Die Naturzone hat jetzt insgesamt 14.222 ha (58,6 %).Ausläufer des Orkans Gonzalo führten zu vereinzelten Windwürfen. Im Bereich Scheuereck gab es kleine Gruppenwürfe mit bis zu 25 Bäumen. Ersten Schätzungen zufolge fallen 400 – 500 fm Sturmholz an.
Nov 2013Plangemäße Erweiterung der Naturzone bei Zeisenbachseige/Schachten und Rindelschachten so dass die Naturzone insgesamt 57.3 % erreicht hat.
Nov 2012Plangemäße Erweiterung der Naturzone bei Lindbergschachten und beim Hochruck um 295 ha
Feb 2012Offener Brief von 11 Umweltverbänden an Umweltminister Huber fordern die Einstellung der Kahlschläge und die Naturzonenerweiterung bis Ende 2012 in den Fichtenhochlagen

Verabschiedung des Nationalparkplans (nach 13 Jahren Entwurfsphase)
Dez 2011Rund 1 Mio Besucher kamen 2011 in den Nationalpark – insb der Baumwipfelpfad hat neue Besucher angezogen

Veröffentlichung der Hochlageninventur 2006-2011

Auf den nicht geräumten Flächen kommt viel Naturverjüngung (Pro Hektar 4.363 Bäume > 20 cm, davon 89% Fichte, 3% Buche, 7% Vogelbeere und 1% andere). Pflanzzahlen in vergleichbaren Wirtschaftsforsten wären 2.000 bis 2.500 pro ha. Bislang sind 7.558 ha Fichtenwald zusammengebrochen, davon wurden 1.805 ha im Zuge der Borkenkäferbekämpfung und Windwurfaufarbeitung geräumt – davon der Großteil im Erweiterungsteil Falkenstein-Rachel (1.131 ha)
Nov 2011Europadiplom A des Europarats wird um 10 Jahre verlängert (vergeben seit 1986)
13.7.2011Gewittersturm Meikel verursacht vor allem im Falkenstein-Rachel-Gebiet großflächige Windwürfe. Ca 70.000 fm Fichtenholz ist in der Entwicklungszone gefallen. 100 ha mit ca 20.000 fm Sturmwurfholz wird in die Naturzone überführt. Der Rest muss nach der gültigen Nationalparkverordnung aufgearbeitet werden
09.3.2009Bayerischer Verfassungsgerichtshof weist Popularklage der NLP-Gegner zurück

1. Die Erweiterung der Fläche im NLP Bay. Wald, auf die der Mensch keinen Einfluss nimmt (Naturzone), ist mit der Bay. Verfassung vereinbar

2. Im Hinblick auf das öffentliche Interesse an der Entwicklung des NLP-Gebietes zu einem möglichst naturnahen Lebensraum sind den Eigentümern der an den NLP angrenzenden Wälder ein trotz der vorgesehenen Waldschutzmaßnahmen verbleibendes (Rest-) Risiko eines Schädlingsbefalls zumutbar
 2008Mit 106.300 Festmetern (fm) aufgearbeiteten Borkenkäferbäumen übertrifft die Menge alles bis dahin an Borkenkäferbekämpfung. Insbesondere durch die starke Bekämpfung in dem Erweiterungsteil (47.600 fm) übertrifft es die letzten Jahre um das doppelte und liegt auch über dem regulären Einschlag – aus pre-Nationalparkzeiten. Das ehemalige Forstamt Zwiesel (jetzt NLP-Erweiterungsteil) hatte einen jährlichen Holzeinschlag von 35.000 – 45.000 fm.

2008 wurden im NLP durchschnittlich 4,4 fm je ha entnommen, das ist weniger als im bayerischen Durchschnitt im Wirtschaftswald (6,9 fm/ha). Zieht man die Kernzone des NLP allerdings ab und nimmt nur die 11.956 ha Fläche der Entwicklungszone, die Randzone und die Erholungszone, wo der gesamte Einschlag stattfindet, und errechnet hier die Einschlagsintensität = 8,9 fm/ha, ist der Einschlag um fast 30% höher als im normalen bayerischen Wirtschaftswald
Sept 2007Verordnung zur Änderung der VO über den Nationalpark Bayerischer Wald

1. Ziel 75% Kernzone von 2017 auf 2027 verschoben „In einem Zeitraum bis zum Jahr 2027 ist die Ausbreitung des Borkenkäfers auf die Wälder der Hochlagen zwischen Falkenstein und Rachel zu verhindern.“

2. Im NLP-Erweiterungsgebiet außerhalb der Naturzonen Pflanzung von Laubholz u. Tanne möglich „Soweit die natürliche Walderneuerung flächig und längerfristig ausbleibt, soll die Entwicklung einer standortgerechten, natürlichen Waldzusammensetzung unterstützt werden.“
18/19.1.2007Orkan Kyrill hat im NLP Bayerischen Wald 200.000 m³ Bäume umgeworfen

Im NLP-Altpark wird außer Wegesicherung nichts gemacht

Im NLP-Erweiterungsteil (mit 60-70.000 fm Sturmholz) sind die größten Flächen noch nicht als Kernzone ausgewiesen

Von den 350 ha Windwurffläche im Erweiterungsteil werden ca 240 ha ausgeräumt

Am Lackenberg werden 5 flächige Windwürfe in den abgelegenen Hochlagen nahe der tschechischen Grenze liegengelassen (110 ha)
Um jede der 5 großen Windwurfflächen in den Bereichen Lackenberg, Sandel, March, Distelruck und Bärnloch wird ein mehrere hundert Meter breiter Beobachtungsring im Stehendholz gezogen und der Borkenkäfer darin intensiv beobachtet
2007Ca 5.000 ha vom Buchdrucker gefallen
Okt 2006Biosphärenreservat Bayerischer Wald wurde aufgelöst durch ministeriellen Erlass. Ausweisung einer Entwicklungszone (z.B. Naturpark Bayerischer Wald) wurde bis spätestens 2007 von UNESCO angemahnt. Landräte der betroffenen Landkreise sahen keine Möglichkeit in absehbarer Zeit einer Erweiterung des Biosphärenreservates näher zu treten. Da Einstellung der Bevölkerung gegenüber Biosphärenreservat überwiegend als ablehnend empfunden wurde, wurde das Biosphärenreservat-Bayerischer Wald aus dem Weltverbund herausgelöst
20054350 ha Totholz im Altpark
2003Waldinventur:
67% Fichte
24,5% Buche
2,6% Tanne
4,2% Sonstige Laubholz
1,4% Edellaubholz
0,35% Sonstiges Nadelholz

Holzmenge 10 Mio Vorratsfestmeter (Altpark 302 Efm oR/ha, Erweiterungsgebiet 406 Efm oR/ha)
20023 Wölfe sind aus dem Gehege in entkommen. 1 Tier konnte eingefangen werden und 2 Tiere ließen sich nicht einfangen und mussten geschossen werden.
20013.610 ha Totholz im Altpark, 25,5 ha im Erweiterungsgebiet
20003.555 ha Totholzflächen im Altpark.

Waldverjüngung je ha: 3.569 Pflanzen (> 10 cm) sowie 1.928 Pflanzen (> 20 cm, davon 77% Fichte und 19% Vogelbeere
19993.107 ha Totholzflächen durch den Borkenkäfer im Rachel/Lusen-Gebiet (davon 1.704 ha in den Hochlagen)
1998Karl-Friedrich Sinner (ehem. Forstamtsleiter Nürnberg) übernimmt die Leitung des NLP von Dr BibelrietherDer Wald verjüngt sich wieder natürlich: Nach Zählungen kommt man auf durchschnittlich 1200 bis 1500 Jungpflanzen pro ha
1997Erweiterung NLP von 13.300 ha (Altpark Rachel-Lusen) um den Erweiterungsteil rund um den Falkenstein auf eine Gesamtfläche von 24.250 haIn der Randzone im Altpark wird radikal weiter der Borkenkäfer bekämpft, teilweise wird Holz mit Helikoptern herausgeholt. Randgebietserweiterung von 500m auf teilweise bis zu 1.000m (= 4.542 ha Randbereich)
199595% des Bergfichtenwaldes vom Borkenkäfer befallen. Im NLP findet Borkenkäferbekämpfung nur im Randgebiet statt. Randzone ist 500m breit (19% der NLP-Fläche)
1992Beschlossene Nationalparkverordnung – führt zu Protesten
1987Verordnung über das eingeschränkte Betretungsrecht – führt zur Akzeptanzminderung in Bevölkerung
1986Europadiplom der Klasse A vom Europarat verliehen (nur 2 deutsche NLP haben diese Auszeichnung) – gültig bis 2010 (wurde 4x verlängert)
1983/84Stürme warfen 172ha Wald im NLP. Auf 87 ha (33.000m³) blieben die Bäume liegen. Entscheidung von Staatsminister Eisenmann nach starken Gewittersturm das Holz liegen zu lassen, „Einen Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder schaffen“
1981Ausweisung eines UNESCO Biosphärenreservates Bayerischer Wald (flächenmäßig identisch mit Altpark)
19769 Wölfe entkommen aus dem Gehege Neuschönau während der Arbeit mit der Schneefräse. Bei der nachfolgenden Suche – mit Hilfe von Grenzschutz und Polizei – wurden 12 Wölfe (darunter einige wilde Wölfe) abgeschossen
7.10.1970Nationalpark Bayerischer Wald gegründet, Nationalpark Kategorie: IUCN Kategorie II

Borkenkäfer im Nationalpark Bayerischer Wald

Sturmschäden durch Tief “Meikel” im Juli 2011
Lusengipfel, im Hintergrund Nationalpark Sumava

1983 wurde vom Bayerischen Landwirtschafts- und Forstminister Hans Eisenmann beschlossen, die durch einen Gewittersturm umgefallenen Fichten in der Naturzone liegenzulassen – ganz nach dem Prinzip Schutz der natürlichen Dynamik. Auch die in den Folgejahren sich ausbreitenden Fichtenborkenkäfer werden in den Naturzonen nicht bekämpft. Nur in den Randzonen, zu den an den Nationalpark angrenzenden Wäldern, werden vom Borkenkäfer angefallene Fichten entnommen.

In den Hochlagen – in denen Berg-Fichtenwälder dominierten – breiteten sich die Fichtenborkenkäfer schnell aus. So starben bis Ende 2011 etwa auf 7.558 ha die alten Fichtenbestände großflächig ab, das entspricht etwa 31% der aktuellen Nationalparkfläche. Davon wurden 1.805 ha im Zuge der Borkenkäferbekämpfung und Windwurfaufarbeitung geräumt – davon der Großteil im Erweiterungsgebiet Falkenstein-Rachel (1.131 ha). (Quelle: Hochlageninventur 2006-2011)

Das konsequente Belassen der toten Fichten führte aber auch dazu, dass sich der Wald wieder natürlich verjüngen konnte und bei der letzten Hochlageninventur 2005 konnten 4.502 junge Bäumchen (> 20 cm) pro Hektar gezählt werden (davon 89% Fichte, 3% Buche, 7% Vogelbeere und 1% andere) – mehr als im konventionellen Altersklassenwald üblicherweise gepflanzt werden. Das belassene Totholz ist nicht nur für die Vögel, Käfer und Pilze eine Bereicherung: auch schützt es die Verjüngung vor Wildverbiss, Austrocknung, Frost, Erosion und Schneeschub. Das vermodernde Holz bietet die besten Voraussetzungen für das Keimen der nächsten Waldgeneration. Vögel und andere Tiere säen in die ehemaligen Fichtenflächen Laubbäume wie Vogelbeeren und Buchen und reichern die Verjüngung an.

Nationalpark Bayerischer Wald, Lusen, Sommerweg Blick N/O Steinfleckberg 1.341m

15.10.2005 (Herbst)
15.10.2005 (Herbst)
09.08.2008 (Sommer)
09.08.2008 (Sommer)
12.06.2010 (Sommer)
12.06.2010 (Sommer)
03.10.2011 (Herbst)
03.10.2011 (Herbst)

Borkenkäferbekämpfung im Erweiterungsteil Nationalpark Bayerischer Wald

Kein Thema wird zwischen Befürwortern der Nationalparkidee und ihren Gegnern so kontrovers und emotional diskutiert wie die Bekämpfung der Borkenkäfer. Nachdem der Nationalpark Bayerischer Wald 1997 im Norden erweitert wurde, stieg die Befürchtung, dass sich der Borkenkäfer wie im Rachel-Lusen-Gebiet (Altteil) auch über das Erweiterungsgebiet ausbreiten würde. Die Angst vor Bildern mit toten Bäumen führte aus politischen Akzeptanzgründen zu einer geteilten Strategie. Im alten Teil wird Natur Natur sein gelassen und der Borkenkäfer nur in den Randzonen zu benachbarten Wirtschaftsforsten bekämpft, im Erweiterungsteil erfolgt dagegen fast flächig die Fällung und Aufarbeitung der geschädigten Fichten. Die Naturzone sollte nur nach und nach erweitert werden. Die Vergrößerung der Naturzone scheiterte allerdings regelmäßig am Veto der Anliegergemeinden.

2007 hatte der Orkan Kyrill auch im Erweiterungsgebiet große Windwürfe erzeugt. Es wurde entschieden am Lackenberg einen kleinen Windwurf zu belassen. Von der Bayerischen Regierung wurde mit den Anliegergemeinden ein Kompromiss geschlossen. Auf etwa 6.000 ha Entwicklungszone im Erweiterungsteil rund um den Falkenstein muss Borkenkäferbekämpfung erfolgen. Andererseits werden pro Jahr 310 ha in die Naturzone überführt. Diese neue Nationalparkverordnung führt zwar dazu, dass ab dem Jahr 2027 auf 75 Prozent der Erweiterungsfläche keine Borkenkäferbekämpfung mehr stattfindet. Doch bis dahin werden die Kahlschläge der Borkenkäferbekämpfungsmaßnahmen auf großen Flächen den Wald bereits nachhaltig geschädigt haben.

Entwicklung des Holzeinschlages im Bayerischen Wald

Eine effektive Borkenkäferbekämpfung bedeutet zügige Baumentnahme und ist auf größerer Fläche gleichbedeutend mit einem Kahlschlag. Kahlschläge sind für das Ökosystem sehr negativ und auch für den Wasserhaushalt eine extreme Belastung. Eine natürliche Wiederbewaldung findet auf Kahlflächen außerdem langsamer statt, als wenn ein Fichtenbestand abstirbt und die Bäume auf der Fläche belassen würden. In den Jahren 2008 bis 2010 wurde der Borkenkäfer im Nationalpark durch große Kahlschläge aufgehalten, und damit große Schäden wie z.B. Bodenschäden durch schwere Erntemaschinen hinterlassen.

Im Jahr 2010 wurden in den Randzonen und in der Entwicklungszone im Nationalpark Bayerischer Wald 141.900 Festmeter (= forstliche m³) Fichten eingeschlagen. Nur auf einigen wenigen sensiblen Flächen wurden die gefällten Bäume mit der Hand entrindet und das Totholz im Bestand belassen (2010: 16.000 fm entsprechen etwa 11 % des Einschlages).

Der Gewittersturm des Tiefs Meikel fegte am 13. Juli 2011 mit über 120 km/h über den Nationalpark. Ganze Fichtenbestände wurden niedergeworfen. Besonders betroffen war das Erweiterungsgebiet. Die erste Einschätzung ergab, dass mehr als 70.000 fm Windwurf in den Rand- und Entwicklungszonen aufzuarbeiten wären. Der riesige Windwurf stellt jetzt die aktuelle Nationalparkverordnung in der die konsequente Borkenkäferbekämpfung und somit auch die Windwurfaufarbeitung in den Entwicklungszonen vorgeschrieben ist, auf die Belastungsprobe – früher als so mancher gedacht hatte. Werden die geworfenen Fichten nicht rasch entfernt bzw. entrindet, befallen die Borkenkäfer auf großer Fläche schnell die übrigen Fichtenbestände. Wird aufgearbeitet – was eine logistische und ökonomische Mamutaufgabe wäre – entstehen durch die Entnahme der enormen Holzmassen noch viel größere Kahlflächen als bislang schon. Hierzu eingesetzte schwere Erntemaschinen würden die sensiblen Waldböden ausserdem massiv schädigen. Von diesen 70.000 fm Windwurf liegen 20.000 fm in einem 100 ha großen unzugänglichen Moorgebiet. Dieses wurde liegengelassen und in die Naturzone überführt. Die 100 ha werden auf die jährliche Naturzonenerweiterung angerechnet. Die restlichen 50.000 fm wurden aufgearbeitet.

Die Jahre 2012 und 2013 waren vom Wetter nicht sehr borkenkäferfreundlich. Auch hier wurden konsequent die Borkenkäferbäume entnommen, aber die Dimension der Ausbreitung wurde durch die nassen Sommer verlangsamt.

Wie sich die weitere Ausbreitungssituation in den nächsten Jahren entwickeln wird, hängt auch vom Wetter ab. Es ist aber davon auszugehen, dass der Borkenkäfer einen Großteil der Fichtenbestände im Erweiterungsgebiet befällt. Nur der konsequente Schutz der natürlichen Dynamik ermöglicht mittel- bis langfristig wieder einen „schönen“ Wald.

Seit November 2022 sind die für Nationalparke geforderten 75 % Naturzone erreicht und nun wird nur noch in den Randzonen (5.500 ha) eine Borkenkäferbekämpfung durchgeführt.

Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009
Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009
Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009
Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009
Fahrgleise der Rückezüge und Harvester am Lackenberg, 2009
Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009
Borkenkäferbekämpfung am Lackenberg, September 2009

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